Teil 3 der Artikel-Serie „Machtfaktor Impfstoff“ von Alex Kessler-Abreu, erschienen im März 2021

Soberana – die Souveräne – so heißt das erste von drei Impfstoffen, die gerade in Kuba entwickelt werden. Das Soberana-Vakzin befindet sich gerade in der finalen dritten Testphase. Sollte es zugelassen werden, soll bis Ende dieses Jahres noch die gesamte Bevölkerung Kubas – 11 Millionen Einwohner sind es – damit geimpft werden, so der ambitionierte Plan des kubanischen Regimes. Venezuela, Jamaika, Vietnam, Pakistan, Indien und die Afrikanische Union zeigen bereits großes Interesse am Erwerb des Produkts, Iran und Mexiko könnten Testungen im eigenen Land zulassen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Kuba eigens Impfstoffe erstellt und somit eine Vorreiterrolle in Lateinamerika einnimmt. Die staatlichen Pharmazieproduzenten versorgen weite Teile der Region beispielsweise mit Tetanus-Impfungen. Und das obwohl die Karibikinsel seit über sechs Jahrzehnten unter strengen Sanktionen der USA steht. Obwohl, genau deshalb hat sich überhaupt eine eigene starke Pharma-Industrie im Land gebildet. Als die erste Welle der Corona-Pandemie 2020 die Lombardei heimsuchte, entsendete Kuba Ärzte und medizinisches Equipment zur Unterstützung nach Italien. Die 2005 gegründete “ Henry Reeve Brigade“ (benannt nach dem aus den USA stammenden kubanischen Freiheitskämpfer des 19. Jahrhunderts) half während der Pandemie in zumindest 39 Ländern aus, über 3.700 Mediziner waren im Einsatz.
Bei all der legitimen Kritik am Regime der Castro-Brüder, Kuba besitzt das womöglich beste Gesundheits- und Bildungssystem in ganz Lateinamerika. Für Kuba spielt daher das Entsenden von medizinischem Personal schon seit vielen Jahrzehnten eine große Rolle. Nicht nur auf diplomatischer, sondern auch auf finanzieller Ebene. Laut offiziellen Quellen soll Kuba pro Jahr umgerechnet 5 Milliarden Euro durch den „Export“ von Hilfspersonal einnehmen, nur ein Bruchteil davon landet aber bei den Ärzten selbst. Allerdings verdienen diese während eines Auslandseinsatzes trotzdem viel mehr, als sie es in der Heimat tun. Ein Dienst, der in vielen Ländern vor allem in Krisenzeiten gerne in Anspruch genommen wird.
